Automobilverbände im Machtkampf: ZDK kappt jahrzehntealte Bindungen zum ZVK
Luisa HofmannAutomobilverbände im Machtkampf: ZDK kappt jahrzehntealte Bindungen zum ZVK
Jahrzehntelanger Streit zwischen zwei führenden Automobilverbänden Deutschlands eskaliert
Der langjährige Konflikt zwischen zwei der wichtigsten Automobilverbände Deutschlands hat eine kritische Phase erreicht. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat tiefgreifende Reformen durchgesetzt, um sich vom Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK) abzugrenzen. Die im Januar 2024 beschlossenen Änderungen markieren das Ende jahrzehntelanger enger institutioneller Verbindungen.
Im Mittelpunkt des Streits stehen Fragen der Vertretung, Finanzierung und Kontrolle. Der ZVK hatte kürzlich Anspruch auf 95 Prozent der Mitgliedsbeiträge des ZDK erhoben – eine Forderung, die eine scharfe Reaktion auslöste. Der ZDK hingegen betont, dass seine Umstrukturierung mehr Klarheit schaffen und Werkstätten, die zwischen die Fronten geraten sind, direkt unterstützen soll.
Die Reformen, die Ende Januar verabschiedet wurden, beseitigen das alte System, in dem der ZVK garantierte Sitze im ZDK-Vorstand innehatte. Bisher waren Vertreter des ZVK automatisch für ein festes Vizepräsidentenamt sowie mehrere Vorstandsposten vorgesehen. Nun besagen die neuen Regeln, dass höchstens ein Mitglied – aber nicht mehr zwingend – aus der Handwerksführung stammen soll. Zudem hat der ZDK gemeinsame Personalregelungen gekappt und eine strikte Trennung der beiden Organisationen durchgesetzt.
Um zu verhindern, dass Werkstätten ohne Vertretung dastehen, schuf der ZDK neue direkte Wege für Betriebe, sich der Bonner Zentrale anzuschließen. Damit soll verhindert werden, dass Innungsbetriebe "organisatorisch abgedrängt" werden, falls sich ihre regionalen Verbände zurückziehen. Der ZDK versprach zudem, in betroffenen Gebieten die Aufklärungsarbeit zu verstärken und über Gründe sowie mögliche Folgen eines Austritts zu informieren.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler präsentieren die Änderungen als Schritt zu mehr Transparenz und als Anpassung an die "tatsächlichen Gegebenheiten der Branche". Peckruhn räumte zwar die Belastungen für die Betriebe ein, ließ aber die Tür für eine künftige Zusammenarbeit offen – vorausgesetzt, der ZVK ändert seine Haltung. Der ZDK bezeichnet die aktuellen Spannungen wiederholt als ein "bewusst herbeigeführtes Szenario", um eine Spaltung zu erzwingen.
Der Streit um die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK), einst ein zentraler juristischer Zankapfel, ist mittlerweile zu einer eher symbolischen Angelegenheit geworden. Doch der finanzielle Konflikt bleibt unversöhnlich. Im Oktober 2025 beanspruchte der ZVK 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge für sich, was den ZDK veranlasste, das gesamte Beitragssystem umzukrempeln. Künftig sollen alle Personalentscheidungen kollektiv von der Mitgliederversammlung getroffen werden – und nicht einseitig.
Vonseiten des ZVK beharrt Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün weiterhin darauf, dass seine Organisation die "echte Stimme" der Werkstattbetriebe sei. Diese Behauptung vertieft jedoch nur den Graben – beide Seiten zeigen keine Anzeichen für einen Rückzieher.
Die Reformen des ZDK haben die Grenzen zwischen den beiden Verbänden neu gezogen, alte Bindungen gekappt und Werkstätten alternative Anbindungsmöglichkeiten angeboten. Betriebe stehen nun vor der Wahl zwischen den rivalisierenden Organisationen, während der ZDK aktiv um Mitglieder in Regionen wirbt, in denen Landesverbände ihren Austritt erwägen. Die nächsten Schritte werden zeigen, ob die Spaltung zu einer dauerhaften Trennung führt – oder ob sich unter geänderten Bedingungen doch noch ein Weg zur Zusammenarbeit eröffnet.