Bidirektionales Laden: Wie es die Lebensdauer von E-Auto-Akkus beeinflusst
Anton WolfBidirektionales Laden: Wie es die Lebensdauer von E-Auto-Akkus beeinflusst
Neue Studien deuten darauf hin, dass häufige Unterbrechungen beim Laden von Elektroautos der Akkulebensdauer kaum schaden. Doch das bidirektionale Laden – bei dem Fahrzeuge Strom zurück ins Netz speisen – könnte den Verschleiß auf Dauer beschleunigen. Hersteller und Experten diskutieren nun, wie sich diese Technologie am besten nutzen lässt, ohne die Batterien zu schnell zu belasten.
Forschungen der RWTH Aachen zeigen, dass das Unterbrechen und Neustarten des Ladevorgangs die Lebensdauer der Akkus nicht spürbar verkürzt. Florian Ringbeck, Wissenschaftler an der Universität, bestätigt diese Erkenntnis. Beim bidirektionalen Laden jedoch, das die Ladezyklen erhöht, steigt die Belastung für die Speichersysteme.
Simulationen zufolge könnte dieser zweiseitige Stromfluss die Alterung der Batterien über ein Jahrzehnt hinweg um 1,5 bis 6 Prozent beschleunigen. Für Fahrer bedeutet das einen zusätzlichen Reichweitenverlust von etwa 6 bis 19 Kilometern. Ringbeck weist zudem darauf hin, dass dynamische Tarife, die das Laden zu günstigen Zeiten fördern, zu häufigeren Volladungen führen könnten – was den Verschleiß weiter vorantreibt.
Die Automobilhersteller gehen unterschiedliche Wege. Volkswagen und Ford setzen beim bidirektionalen Laden strikte Grenzen, etwa bei Energiemengen und Nutzungsdauer. Mercedes-Benz verzichtet hingegen auf feste Obergrenzen und konzentriert sich stattdessen auf eine gleichmäßige Leistungsregelung. BMW steuert einen Mittelkurs: Keine harten Beschränkungen, doch Kunden werden auf mögliche Garantieprobleme hingewiesen.
Unterdessen passen Energiemanagementsysteme den Ladevorgang automatisch an die Strompreise an. Seit Anfang 2024 dürfen deutsche Netzbetreiber zudem die Leistung von Wallboxen in Spitzenlastzeiten auf 4,2 Kilowatt drosseln. Diese Maßnahmen sollen Kosteneinsparungen und Akkugesundheit in Einklang bringen.
Bidirektionales Laden bietet zwar finanzielle Vorteile, geht aber auf Kosten der Akkulebensdauer. Die Hersteller setzen auf unterschiedliche Strategien, um den Verschleiß zu begrenzen, während Netzbetreiber die Leistung anpassen, um die Nachfrage zu steuern. Fahrer müssen abwägen, ob sich die Ersparnisse angesichts möglicher langfristiger Auswirkungen auf die Reichweite ihres Fahrzeugs lohnen.






