Kims genderfluide Suche nach Identität und Trauma begeistert Berlins Bühne
Anton WolfKims genderfluide Suche nach Identität und Trauma begeistert Berlins Bühne
Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Hauptfigur, die von drei Schauspieler:innen verkörpert wird, auf der Suche nach einer verborgenen Familiengeschichte, die von Trauma und Identität geprägt ist.
Kims Reise beginnt, als die Demenz ihrer Großmutter sie zwingt, Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort aufzuarbeiten. Unter einer Blutbuche – gepflanzt von ihrem Urgroßvater für eine enterbte Tochter – findet Kim einen seltenen Ort der Geborgenheit. Dieser Baum wird zum Ausgangspunkt für die Entschlüsselung einer mütterlichen Blutlinie, die von Zwangsabtreibungen, Massenvergewaltigungen und verlassenen Kindern gezeichnet ist.
Auf der Bühne wird Kims Körper ohne Grenzen inszeniert – ein Affront gegen binäre Definitionen. Zerrissene, beige Strumpfhosen, gefüllt mit Sand und Bällen, hängen von der Decke und symbolisieren die Last des vererbten Leidens. Die Mission der Protagonist:in ist klar: das Schweigen über diese Traumata brechen und Scham in Selbstakzeptanz verwandeln.
Der Roman, auf dem das Stück basiert, schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Nun bringt die Theaterfassung Kims rohe, verwandelnde Geschichte mit drei Schauspieler:innen auf die Bühne: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger, die sich die Rolle teilen.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, transgenerationelles Trauma und genderfluide Identität auf die Bühne zu bringen. Mit ausverkauften Vorstellungen unterstreicht die Adaption die anhaltende Wirkung des Romans. Kims Kampf um die Rückeroberung der eigenen Vergangenheit entfaltet sich nun in Echtzeit – und fordert das Publikum heraus, Schweigen und Scham zu konfrontieren.






