Kölner Archiv-Einsturz 2009: Zwei Tote, unersetzliche Dokumente und eine unvollendete Baustelle
Luisa HofmannKölner Archiv-Einsturz 2009: Zwei Tote, unersetzliche Dokumente und eine unvollendete Baustelle
Einsturz-Katastrophe in Köln: Historisches Archiv verschüttet, zwei Tote und jahrhundertelange Dokumente verloren
Im Jahr 2009 stürzte in Köln ein gesamtes Stadtviertel ein und begrub das historische Stadtarchiv unter sich – zwei Menschen kamen ums Leben, und unersetzliche Dokumente aus Jahrhunderten gingen verloren. Der Einsturz ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Strecke und legte eklatante Mängel in der Aufsicht und Sicherheit offen. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt. Die juristischen Auseinandersetzungen sind zwar abgeschlossen, doch über die Neugestaltung des Geländes wird weiterhin gestritten.
Am 3. März 2009, um 13:58 Uhr, öffnete sich unter dem Kölner Stadtarchiv ein Grundwasserkrater. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern wurden sofort getötet, als der Boden unter ihnen nachgab. Das Archiv beherbergte 1,7 Millionen Dokumente, einige davon über 1.000 Jahre alt – doch der Großteil verschwand unter den Trümmern.
Rettungskräfte durchsuchten monatelang das Schuttfeld und bargen Papierschnipsel, die in 20 Notarchiven gesichert wurden. Einige Dokumente konnten erst 2010 geborgen werden. Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Verantwortlich für die Baumaßnahme war die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) – ohne vorherige Erfahrung mit Projekten dieses Ausmaßes.
Der Einsturz ließ den nahegelegenen Turm der Kirche St. Johann-Baptist absacken, der seitdem als "Kölner Schiefer Turm" bekannt ist. Die gerichtlichen Verfahren zogen sich bis 2018 hin, als endlich Verurteilungen ausgesprochen wurden. Doch 2024 wurde das Verfahren wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt. Die Baustelle selbst ist bis heute nur teilweise verfüllt – 2023 noch immer mit Sandhügeln und wildem Bewuchs überzogen.
Die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie gehen indes weiter. Geplant ist der Abriss der provisorischen Betonkonstruktionen; die neue Strecke soll die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seit 2011 für eine Mitsprache bei der Neugestaltung und ein würdevolles Denkmal für die Opfer ein.
Der Ort des Einsturzes bleibt eine Mahnmal der Tragödie. Zwar wurde 2024 die juristische Aufarbeitung beendet, doch Fragen nach der Verantwortung sind ungeklärt. Während der U-Bahn-Ausbau voranschreitet, dauern die Debatten über die Zukunft der Fläche – und wie dem Verlust gedacht werden soll – weiter an.






