PKV fordert Tempo bei der Digitalisierung – doch Ärzte bleiben skeptisch
Anton WolfPKV fordert Tempo bei der Digitalisierung – doch Ärzte bleiben skeptisch
Private Krankenversicherer drängen auf schnellere Digitalisierung im Gesundheitswesen
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) fordert eine beschleunigte digitale Transformation im Gesundheitsbereich. Besserer technischer Support könnte dem Verband zufolge die Belastung des medizinischen Personals verringern und die Patientenversorgung verbessern. Doch viele Ärztinnen und Ärzte stehen den aktuellen digitalen Lösungen – insbesondere der elektronischen Patientenakte (ePA) – skeptisch gegenüber.
Eine aktuelle Umfrage des PKV offenbart tiefe Vorbehalte unter Medizinerinnen und Medizinern: Rund 65 Prozent der Befragten stuften den Datenschutz der ePA als "nicht sicher" oder "überhaupt nicht sicher" ein. Weitere 84 Prozent gaben an, im Praxisalltag keinerlei praktischen Nutzen aus dem System zu ziehen. Die Ergebnisse verdeutlichen die Kluft zwischen digitalen Zielen und der tatsächlichen Umsetzung.
Der PKV betont indes, dass die Digitalisierung für die Zukunft der Gesundheitsversorgung unverzichtbar sei. Gefordert werden vernetzte Terminbuchungsplattformen, Telemedizin-Angebote und nahtlose Datenschnittstellen. Entscheidend sei dabei die Zuverlässigkeit: Der Verband pocht auf eine stabile technische Infrastruktur mit möglichst wenigen Störungen. Digitale Erstanamnesen und automatisierte Dokumentation könnten zudem den Verwaltungsaufwand entlasten.
Besondere Herausforderungen bestehen in ländlichen Regionen. Schlechte Breitbandanbindung und eingeschränkte Mobilität erschweren dort die Einführung digitaler Gesundheitslösungen. Der PKV argumentiert, dass private Versicherer eine zentrale Rolle bei der Stärkung der ambulanten Versorgung und der Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten für unterversorgte Gebiete spielen. Ohne stärkere technische und regulatorische Unterstützung bleibe der Fortschritt jedoch zäh.
Der Verband mahnt zu zügigem Handeln und fordert die Politik auf, Systemstabilität und offenen Wettbewerb voranzutreiben. Verzögerungen, so die Warnung, könnten dazu führen, dass Praxen überlastet bleiben und Patientinnen und Patienten unzureichend versorgt werden.
Gemischte Reaktionen auf die digitale Gesundheitswende Während die Versicherer für den Ausbau digitaler Tools und eine bessere Infrastruktur werben, zweifeln viele Mediziner an der Sicherheit und dem Nutzen bestehender Systeme. Werden diese Bedenken nicht ernst genommen, droht sich die Lücke zwischen politischen Vorgaben und der Praxis weiter zu vergrößern.
Neue ePA-Funktionen zielen darauf ab, ärztliche Bedenken anzugehen
Die deutsche Regierung hat Verbesserungen für das elektronische Patientenrecord (ePA)-System für die Mitte des Jahres 2026 angekündigt. Diese Updates umfassen:
- Erweiterte Medikamentenverfolgung, die es Ärzten ermöglicht, rezeptfreie Arzneimittel in Patientenakten aufzunehmen.
- Elektronische Medikationspläne, die Patienten strukturierte Therapiesummaries bereitstellen. Die Änderungen erfolgen nach weitreichender Kritik von Ärzten, die keine praktischen Vorteile der aktuellen ePA-Systeme sahen. Die Umsetzung beginnt Mitte 2026 und zielt darauf ab, die klinische Brauchbarkeit zu verbessern und die in einer Umfrage der PKV im Jahr 2026 geäußerten Bedenken anzugehen.