27 April 2026, 14:09

Sachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – wer schützt die Geringverdiener noch?

Eine Liniendiagramm, das die Löhne in den Vereinigten Staaten zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Sachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – wer schützt die Geringverdiener noch?

Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark eingeschränkt – Arbeitnehmer immer weniger geschützt

In Sachsen-Anhalt hat die Durchsetzung von Mindestlöhnen in den vergangenen drei Jahren dramatisch nachgelassen. Die Kontrollen durch die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) sind seit 2022 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Kritiker warnen nun, dass Personalmangel und lasche Überwachung gerade Geringverdiener schutzlos zurücklassen.

Die aktuellen Zahlen zeigen einen drastischen Rückgang bei Betriebsprüfungen: Während die FKS 2022 noch 1.598 Arbeitgeberkontrollen in Sachsen-Anhalt durchführte, waren es 2025 nur noch 691 – weniger als die Hälfte. Bei diesem Tempo muss ein durchschnittlicher Betrieb nur alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. In der Landwirtschaft sind die Abstände noch größer: Hier findet statistisch gesehen nur alle 234 Jahre eine Überprüfung statt.

Personalkürzungen haben die Kontrollkapazitäten massiv beschnitten. Die aktuellen Prüfzahlen liegen bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von vor drei Jahren. Der linke Landtagsabgeordnete David Schliesing spricht von einer "Durchsetzungsblindheit" und macht den eklatanten Personalmangel für den Zusammenbruch der Aufsicht verantwortlich.

Der Rückgang bei den Kontrollen fällt in eine Zeit, in der Niedriglöhne weit verbreitet sind: Fast ein Viertel aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt – 23,3 Prozent – verdient weniger als 15 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es sogar 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 13,90 Euro, soll aber 2027 auf 14,60 Euro steigen.

Gleichzeitig ist auch die Zahl der gemeldeten Unternehmen gesunken: von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.

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Die Debatte über faire Löhne und deren Kontrolle wird vor der geplanten Mindestlohnerhöhung 2027 weiter an Fahrt aufnehmen. Angesichts historisch niedriger Kontrolldichten und weiterhin verbreiteter Unterbezahlung wächst die Unsicherheit bei Arbeitnehmern und Betrieben. Ob der Staat die Einhaltung von Lohnstandards künftig noch wirksam überwachen kann, hängt nun davon ab, ob die Kontrollkapazitäten wieder gestärkt werden.

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