Stuttgart 21: Wie aus Deutschlands digitalem Bahn-Projekt ein Milliardengrab wurde
Luisa HofmannStuttgart 21: Wie aus Deutschlands digitalem Bahn-Projekt ein Milliardengrab wurde
Stuttgart 21 sollte Deutschlands erstes voll digitalisiertes Großprojekt im Schienenverkehr werden. Es versprach modernste Technik: Züge und Strecken, gesteuert durch das Europäische Zugsicherungssystem (ETCS) und digitale Stellwerke. Doch statt dessen häufen sich Verzögerungen und explodierende Kosten – mittlerweile über 11 Milliarden Euro.
Fehler in der frühen Planungsphase sind für viele der heutigen Probleme verantwortlich. So begannen die Kabelarbeiten, noch bevor die technische Ausarbeitung des digitalen Signalsystems abgeschlossen war. Die Folge: Über 1.000 Kilometer Kabel und Leitungen wurden falsch verlegt – der Großteil muss nun ausgetauscht werden.
Weitere Mängel kamen hinzu. Störungen in der Notstromversorgung, Defekte an Bahnsteigen und Bodenbelägen machen die für 2026 geplante Teilinbetriebnahme unmöglich. Allein die Installation von 450 neuen Signalen soll rund 45 Millionen Euro kosten.
Doch die Komplexität des Projekts geht über die neue Technik hinaus. Güterzüge ohne ETCS-Ausstattung werden noch Jahre lang Teile des Bahnknotens nutzen. Das bedeutet: Konventionelle Signale müssen parallel zum digitalen System erhalten bleiben. Die Stadt Stuttgart hatte für fast 460 Millionen Euro rund 109 Hektar Bahnfläche erworben, um neue Wohn- und Stadtgebiete zu entwickeln. Diese Pläne liegen nun wegen der Verzögerungen auf Eis.
Die vollständige Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wurde auf 2031 verschoben – fünf Jahre später als das letzte Ziel und zwölf Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Die ständigen Verzögerungen und steigenden Kosten haben das Projekt zu einer Quelle nationaler Verärgerung gemacht.






