Tschechien überholt Deutschland und Österreich – wie der Wirtschaftswunder gelang
Tobias SeidelTschechien überholt Deutschland und Österreich – wie der Wirtschaftswunder gelang
Die tschechische Wirtschaft hat seit dem Jahr 2000 ein bemerkenswertes Wachstum erlebt – das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich bis 2025 nahezu vervierfacht. Dieser Aufschwung übertrifft die Entwicklung in den Nachbarländern Deutschland und Österreich, wo sich die Einkommen im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelten. Nun hat der ehemalige Ministerpräsident Andrej Babiš seine Sicht darauf dargelegt, welche Faktoren diesen Erfolg vorangetrieben haben – und was die EU tun muss, um ihn weiter zu fördern.
Babiš führt den wirtschaftlichen Aufstieg Tschechiens auf den starken Industriesektor, eine gut ausgebildete Belegschaft sowie die enge Verzahnung mit europäischen Lieferketten zurück. Zwischen 1995 und 2025 lag das durchschnittliche quartalsweise BIP-Wachstum bei 0,52 Prozent, wobei die Binnennachfrage das jährliche Wachstum im Jahr 2025 allein auf 2,6 Prozent trieb. Gleichzeitig warnt er, dass übermäßige EU-Regulierung und Bürokratie diesen Fortschritt nun bremsen könnten.
Für die EU selbst fordert Babiš eine Neuausrichtung der Prioritäten. Sein Argument: Der Block müsse sich stärker auf wirtschaftliche Prosperität, Grenzsicherheit und Migrationskontrolle konzentrieren, statt seine eigenen Befugnisse auszuweiten. Entscheidungen, so betont er, sollten näher an den Bürgern getroffen werden – mit größerer Rücksicht auf die nationale Souveränität.
In den Bereichen Energie und Industrie plädiert Babiš für eine Überprüfung des Emissionshandels und der Verbote für Verbrennungsmotoren. Bezahlbare Energie und strategische Investitionen seien seiner Meinung nach entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu erhalten. In einem Punkt bleibt er unnachgiebig: Die Einführung des Euro würde der tschechischen Wirtschaft keinerlei Vorteile bringen.
Der wirtschaftliche Aufstieg Tschechiens war beeindruckend, doch Babiš sieht Risiken, falls sich die EU-Politik nicht anpasst. Seine Vorschläge zielen auf Bürokratieabbau, sichere Grenzen und den Schutz Schlüsselsektoren ab. Ob diese Ideen Gehör finden, wird den wirtschaftlichen Weg des Landes – und der EU – in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.






