Verleumdungsvorwürfe gegen ÖRR-Blogger Jonas Müller fallen gelassen – doch der Streit bleibt
Anton WolfVerleumdungsvorwürfe gegen ÖRR-Blogger Jonas Müller fallen gelassen – doch der Streit bleibt
Strafverfahren gegen Jonas Müller, Betreiber des ÖRR-Blogs, eingestellt
Die Ermittlungen gegen Jonas Müller, Betreiber des ÖRR-Blogs, wurden fallen gelassen, nachdem Hamado Dipama, Mitglied des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks (BR), ihn der Verleumdung beschuldigt hatte. Die Staatsanwaltschaft Bamberg stellte das Verfahren ein und beendete damit einen Streit, der durch Müllers Berichterstattung über Dipamas Aktivitäten in sozialen Medien ausgelöst worden war.
Dipama, der 2002 als politischer Gegner des damaligen burkinischen Präsidenten Blaise Compaoré aus Burkina Faso floh, unterstützt seitdem öffentlich den aktuellen Machthaber des Landes, Ibrahim Traoré. Der Fall warf zudem Fragen zu Dipamas Flüchtlingsstatus auf sowie zu seinen juristischen Schritten gegen andere Medien.
Der Rechtsstreit begann, nachdem Müllers Blog auf einen Instagram-Beitrag hingewiesen hatte, den Dipama gelikt hatte. In dem ursprünglichen Post waren weiße Menschen als Neandertaler bezeichnet worden, bevor die Formulierung später geändert wurde. Müller verteidigte seine Berichterstattung und betonte, seine Tweets seien sachlich und nicht rassistisch gewesen. Zudem stellte er infrage, ob Dipama seinen Flüchtlingsstatus behalten könne, falls er – wie von ihm angekündigt – 2025 nach Burkina Faso zurückkehre, um ein Mausoleum einzuweihen.
Müller wies Vorwürfe zurück, es habe sich um einen Angriff auf seine Medienkritik gehandelt, und vermutete stattdessen, Dipama verfolge persönliche Motive. Der Blogger beschrieb die Ermittlungen als emotional belastend und kritisierte das Justizsystem, das in Verleumdungsverfahren die Angeklagten übermäßig belaste. Nach der Einstellung des Verfahrens zeigte er sich erleichtert und erklärte, er sei froh, dass das System wie vorgesehen funktioniert habe.
Dipama hat auch gegen andere Medien Klagen wegen Verleumdung eingereicht, darunter das Magazin Cicero und das Nachrichtenportal Apollo. Seine juristischen Schritte sorgen vor dem Hintergrund seiner politischen Vergangenheit und seiner öffentlichen Unterstützung für die aktuelle Regierung Burkina Fasos für Aufmerksamkeit.
Mit der Einstellung des Verfahrens kann Müller seine Arbeit nun ohne rechtlichen Druck fortsetzen. Dennoch bleiben Fragen zu Dipamas Flüchtlingsstatus und seinen anhaltenden Konflikten mit Medienorganisationen offen. Der Fall verdeutlicht zudem die Herausforderungen, vor denen Journalisten stehen, wenn sie über Persönlichkeiten mit komplexen politischen Hintergründen berichten.






