AfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und Sellners "Remigrations"-Pläne
Tobias WernerAfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und Sellners "Remigrations"-Pläne
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik spaltet die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Seit 2023 haben sich die inneren Konflikte verschärft – mit Auseinandersetzungen über die Beziehungen zu den USA, zu Russland und das umstrittene "Remigrations"-Konzept des Aktivisten Martin Sellner. Die Parteiführung hat es bisher nicht geschafft, diese Streitigkeiten beizulegen oder sich klar von extremistischen Verbindungen zu distanzieren.
Die Außenpolitik ist seit Langem ein Zankapfel innerhalb der AfD. Eine Gruppe um den Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen unterstützt die westliche Bündnispolitik Deutschlands und sieht in Russland die größte Bedrohung für die NATO. Eine andere Strömung, die sich an Björn Höcke orientiert, wirbt für eine Annäherung an Moskau und forderte sogar den Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Lucassen warf Höckes Lager vor, ihn aus seiner Position verdrängen zu wollen.
2023 sorgte Martin Sellners "Remigrations"-Plan, der bei einem Treffen in Potsdam vorgestellt wurde, für weitere Unruhe. Während einige AfD-Mitglieder eine klare Abkehr von dem Konzept forderten, übernahmen Spitzenpolitiker wie Alice Weidel den Begriff, und Funktionäre wie Lena Kotré pflegten weiterhin Kontakte zu Sellner. Ein offizieller Bruch mit seinen Ideen blieb aus.
Auch die USA wurden zum Streitpunkt. Der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck entwarf während des Iran-Konflikts eine proamerikanische Erklärung, doch die Parteivorsitzenden blockierten deren Veröffentlichung. Gleichzeitig widersprach Maximilian Krah öffentlich Tino Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen und argumentierte, Deutschland brauche "starke Partner". Später behauptete Krah, die extremen Positionen der AfD hätten andere Parteien darin bestärkt, jede Zusammenarbeit abzulehnen.
Die AfD bleibt zwischen westlich orientierten und russlandfreundlichen Flügeln zerrissen – eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Führung hat sich weder von Sellners "Remigrations"-Plänen distanziert noch die internen Machtkämpfe bereinigt. Die anhaltenden Querelen drohen, die Partei weiter von der politischen Mitte Deutschlands zu isolieren.






