Apothekenreform 2026: Streit um Gebühren, Versandmedikamente und lokale Versorgung
Tobias SeidelApothekenreform 2026: Streit um Gebühren, Versandmedikamente und lokale Versorgung
Die geplante Apothekenreform in Deutschland hat vor der für April 2026 anstehenden Bundestagsabstimmung eine hitzige Debatte ausgelöst. Kritiker, darunter Vertreter der Bundesländer und Apothekerverbände, fordern weitreichende Änderungen – sie werfen dem aktuellen Entwurf vor, zentrale Probleme nicht zu lösen. Besonders umstritten ist das Fehlen einer festen Gebührenerhöhung auf 9,50 Euro, die viele als überlebenswichtig für lokale Apotheken ansehen.
Der Bundesrat, der die Interessen der Länder vertritt, hat grundlegende Nachbesserungen an der offiziell als ApoVWG bezeichneten Reform gefordert. Dazu gehören klarere Regelungen zur Vertretung von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) sowie zu Filialapotheken. Die Bundesregierung hat diese Forderungen jedoch weitgehend zurückgewiesen und den Ländern damit nur die Möglichkeit gelassen, den Konflikt in einen Vermittlungsausschuss zu tragen. Die Spannungen haben sich seit dem Koalitionsvertrag von 2021 zugespitzt, während anhaltende Proteste von Apothekerverbänden zusätzlichen Druck ausüben.
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, setzt sich vehement für die Erhöhung der Gebühr auf 9,50 Euro ein. Ohne diese drohe vor allem in ländlichen Regionen die zuverlässige Arzneimittelversorgung verloren zu gehen, warnt er. Seidenath plädiert zudem für strengere Vorschriften bei Versandapotheken und fordert ein Verbot des Postversands von verschreibungspflichtigen Medikamenten – eine Regelung, die in mehreren EU-Ländern bereits gilt. Darüber hinaus spricht er sich für eine Angleichung der Bestimmungen für Online- und stationäre Apotheken aus, insbesondere bei der Kühlkette und der Dokumentation.
Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im bayerischen Gesundheitsausschuss, teilt diese Bedenken. Sie betont die Notwendigkeit von Stabilität in der Branche und warnt, dass wirtschaftliche Belastungen und übermäßige Bürokratie die sichere Arzneimittelversorgung in Deutschland gefährden könnten. Sowohl Trautner als auch Seidenath lehnen Pläne entschieden ab, die es Pharmazeutisch-technischen Assistenten ermöglichen würden, Apotheken eigenständig zu leiten. Ein solcher Schritt würde ihrer Meinung nach die fachliche Aufsicht schwächen.
Die Debatte offenbart zudem Widersprüche in den Regelungen für die Arzneimittelverteilung – je nachdem, ob Großhändler, stationäre Apotheken oder Online-Anbieter beteiligt sind. Kritiker monieren, dass die aktuellen Vorschriften lokale Apotheken benachteiligen, besonders angesichts der wachsenden Konkurrenz durch digitale Plattformen.
Die Zukunft der Reform bleibt ungewiss, da sich der Widerstand auf Landesebene und die Pläne des Bundes gegenüberstehen. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte der Streit in einen Vermittlungsausschuss gehen und eine Entscheidung weiter verzögern. Unterdessen kämpfen Apotheken und ihre Unterstützer weiterhin für Änderungen, die sie für unverzichtbar halten, um die flächendeckende und zuverlässige Arzneimittelversorgung in Deutschland zu sichern.






