Berufsversorgungswerke in der Krise: ABV verschärft Kontrollen nach Millionenverlusten
Anton WolfBerufsversorgungswerke in der Krise: ABV verschärft Kontrollen nach Millionenverlusten
Deutsche Berufsversorgungswerke stecken in einer sich verschärfenden Krise, nachdem mehrere Einrichtungen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe durch hochriskante Anlagen gemeldet haben. Der Verband der Berufsversorgungswerke (ABV) hat nun mit verschärften Kontrollmaßnahmen reagiert – darunter ein neues Zertifizierungssystem, das die Einhaltung finanzieller und governance-bezogener Standards sicherstellen soll.
Im Rahmen des ABV-Zertifizierungsverfahrens müssen die Versorgungswerke geprüfte Jahresabschlüsse, Compliance-Regelwerke, versicherungsmathematische Gutachten sowie Stresstests vorlegen. Zudem sind Asset-Liability-Management-Studien (ALM) erforderlich, um nachzuweisen, dass die Anlage-strategien solide sind. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Sorgen um den Pensionsfonds der Berliner Zahnärztekammer (VZB), dessen jahrzehntelange Mängel in den Bereichen Rechtstreue, Wirtschaftlichkeit und strategische Steuerung der ABV-Vorstand scharf kritisiert.
Der Verband fordert vom VZB nun beschleunigte Maßnahmen und drängt auf eine vorzeitige Vorlage der Jahresabschlüsse für 2024 und 2025. Vorstandsmitglieder zeigten sich frustriert über die Verzögerungen und warnten, dass öffentliche Streitigkeiten um den VZB das Vertrauen in das gesamte System untergraben könnten. Gleichzeitig betonte der ABV, die Branche habe Krisen in der Vergangenheit stets aus eigener Kraft bewältigt – und unterstrich damit die Notwendigkeit von Eigenverantwortung.
Unklar bleibt jedoch, wie viele der 91 deutschen Berufsversorgungswerke die verschärften Anforderungen bereits erfüllen. Der Verband warnte, dass die Probleme des VZB eine breitere Debatte über die Altersvorsorge freiberuflich Tätiger neu entfachen könnten.
Ziel der ABV-Forderungen ist es, das System durch strengere finanzielle und governance-technische Vorgaben zu stabilisieren. Während der VZB seine Unterlagen nun früher als geplant einreichen muss, stehen auch andere Einrichtungen unter Druck, ihre Compliance nachzuweisen. Ob es gelingt, das Vertrauen in das System ohne externen Eingriff wiederherzustellen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.






