02 April 2026, 14:04

Digitale Gewalt: Warum fast die Hälfte der Jugendlichen betroffen ist

Eine Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat angeben, begleitet von Text, der besagt, dass Minderjährige wegen einvernehmlichen Sex auf die Sexualstraftäterliste gesetzt werden können.

Digitale Gewalt: Warum fast die Hälfte der Jugendlichen betroffen ist

Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland, wie aktuelle Studien zeigen. Expert:innen warnen, dass Schulen, Familien und Tech-Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssen, um Missbrauch im Netz zu verhindern. Das Thema hat durch prominente Fälle zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten, darunter die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen.

Yasmina Ramdani, Fachfrau für digitale Sicherheit, leitet seit drei Jahren Präventionsworkshops an Thüringer Schulen. Ihr Projekt erreichte rund 5.000 Schüler:innen der fünften bis achten Klasse. Mit Methoden wie Bingokarten übersetzt sie digitale Erlebnisse in alltagsnahe Diskussionen und macht komplexe Themen greifbarer.

Viele Vorfälle ereignen sich in scheinbar sicheren Räumen – etwa in Freundesgruppen oder Klassenchats. Naivität und mangelnde Medienkompetenz führen oft zu Grenzüberschreitungen, selbst unter Gleichaltrigen. Lehrkräfte erkennen die Dringlichkeit des Problems, fühlen sich aber häufig überfordert und suchen externe Unterstützung.

Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern stark von ihrem Umfeld abhängt. Familien kommen eine Schlüsselrolle zu, indem sie respektvolles Verhalten vorleben und klare Grenzen setzen. Gleichzeitig müssen Tech-Plattformen, die von Systemen profitieren, die Missbrauch ermöglichen, endlich konsequent gegen schädliche Inhalte vorgehen.

Daten des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit unterstreichen das Ausmaß der Problematik: Bis 2025 wird fast jedes vierte Kind von Cybergrooming betroffen sein – also von Täter:innen, die gezielt über Chatplattformen Kontakt zu Minderjährigen suchen. Die Zahlen zeigen, wie dringend flächendeckende Aufklärung und Gegenmaßnahmen nötig sind.

Das Pilotprojekt in Thüringen beweist, wie strukturierte Workshops das Bewusstsein von Schüler:innen schärfen können. Doch bundesweite Zahlen, wie viele Schulen ähnliche Programme eingeführt haben, gibt es nicht. Angesichts der weit verbreiteten digitalen Gewalt fordern Expert:innen, dass Prävention nur gelingen kann, wenn Schulen, Eltern und Tech-Unternehmen an einem Strang ziehen.

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