Hitziger Streit um Apothekenfinanzierung und Rezeptboni auf Münchner Gipfel
Anton WolfHitziger Streit um Apothekenfinanzierung und Rezeptboni auf Münchner Gipfel
Auf dem Kooperationsgipfel in München kam es zu einer hitzigen Debatte zwischen Olaf Heinrich, dem Vorstandsvorsitzenden von Redcare, und Dr. Ina Lucas, der Präsidentin der Apothekerkammer Berlin. Im Mittelpunkt standen steigende Kosten, Rezeptboni und die Zukunft der lokalen Apotheken in Deutschland. Beide Seiten gerieten über Fragen der Finanzierung, der Servicequalität und der regulatorischen Einhaltung aneinander.
Der Streit entzündete sich an der Forderung nach einer Erhöhung der Gebühren um 9,50 Euro, die Heinrich zwar als hilfreich, aber nicht ausreichend bezeichnete, um die Existenz bedrohten Apotheken zu retten. Er warnte, dass bereits ein Drittel der lokalen Apotheken nicht mehr wirtschaftlich arbeite und die Debatte viel zu lange verschleppt worden sei.
Dr. Lucas entgegnete, dass Apotheken essentielle Dienstleistungen nicht ausbauen könnten, ohne angemessen entlohnt zu werden. Sie kritisierte die jahrelange Verzögerung bei der Gebührenanpassung und verteidigte die Therapiebegleitung als Kernaufgabe der Vor-Ort-Apotheken. Versandapotheken wie Shop Apotheke seien für solche Leistungen "viel zu teuer", argumentierte sie.
Uneinig waren sich die beiden auch bei den Rezeptboni. Heinrich bestand darauf, dass europäisches Recht nationale Vorschriften überlagere, und erklärte die Angelegenheit damit für geklärt – trotz laufender Diskussionen zu §129 des Sozialgesetzbuchs. Die Rechtslage ist seit 2023 unverändert: Ein Urteil des Bundessozialgerichts (B 1 KR 7/23 R) aus dem Jahr 2024 erlaubt zwar Boni aus Qualitätsberichterstattungssystemen, allerdings nur, wenn sie die Rezeptvergabe nicht beeinflussen.
Ein weiterer Zankapfel war die Einhaltung der Kühlkette bei Standardmedikamenten. Heinrich wies Bedenken zurück und verwies auf Testkäufe von Redcare, um die Standards zu überprüfen. Gleichzeitig lehnte er es ab, Apotheken auf reine Logistikdienstleister zu reduzieren, und deutete an, dass größere Betriebe möglicherweise bessere Unterstützung bieten könnten als kleine lokale Apotheken.
Die Auseinandersetzung offenbarten tiefe Gräben in der Frage der Apothekenfinanzierung und der Service-Modelle. Während Heinrich strukturelle Herausforderungen betonte, pochte Lucas auf faire Bezahlung, um die lokale Versorgung zu sichern. Die Rechtslage zu den Rezeptboni bleibt unverändert – die Branche steckt damit weiterhin in einer ungelösten Spannung fest.






