IWF warnt vor Inflation und Wachstumsbremse durch Energieschocks und Handelskonflikte
Anton WolfIWF warnt vor Inflation und Wachstumsbremse durch Energieschocks und Handelskonflikte
Weltweite Wirtschaftsdruck nimmt zu, da Konflikte und Lieferengpässe die Preise in die Höhe treiben
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt in seinen jüngsten Prognosen vor einem verlangsamten Wachstum und steigender Inflation, während Energieschocks und Instabilität der Handelsrouten die Belastung verstärken. Die Zentralbanken stehen nun vor schwierigen Entscheidungen, wie sie auf diese wachsenden Herausforderungen reagieren sollen.
Der jüngste Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus haben die Ölpreise wieder auf über 100 bis 120 Dollar pro Fass getrieben – ein Niveau, das seit den ersten Monaten des Ukraine-Kriegs 2022 nicht mehr erreicht wurde. Dieser Anstieg übersteigt die früheren Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB), die von einer allmählichen Entspannung der Energiekrise nach 2022 ausgegangen war. Gleichzeitig verzeichnet der Suezkanal, der sich noch immer von den Angriffen der Huthi-Rebellen Ende 2023 erholt, weiterhin rückläufigen Schiffsverkehr, was die globalen Lieferketten zusätzlich belastet.
Auf der Frankfurter Konferenz der EZB skizzierte Präsidentin Christine Lagarde eine dreigliedrige Strategie zur Bewältigung der Energiekrise. Der erste Ansatz sieht vor, kurzfristige Schocks zu ignorieren, da geldpolitische Maßnahmen zu spät kämen, um wirksam zu sein. Die zweite Option erlaubt begrenzte Anpassungen der Politik, falls die Inflation vorübergehend über das Ziel hinausschießt. Die dritte, aggressivere Reaktion würde greifen, wenn die Inflation deutlich und über einen längeren Zeitraum vom Ziel abweicht.
Die jüngsten Szenarien der EZB zeichnen ein düsteres Bild: Im ungünstigsten Fall stagniert die Wirtschaftsleistung der Eurozone bis 2026, bevor sie sich bis 2028 langsam erholt. Ein tieferer Schock könnte die Region in eine leichte Rezession stürzen. Die Inflationsprognosen variieren: Ein Szenario geht von einem kurzfristigen Anstieg der Teuerungsrate auf 4 Prozent aus, gefolgt von einem raschen Rückgang, während eine pessimistischere Einschätzung von anhaltend hoher Inflation über mehr als zwei Jahre ausgeht.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, betonte, dass in jeder Sitzung neu bewertet werde, ob der Schock ignoriert, die Politik moderat angepasst oder entschlossen gehandelt werden müsse. Karen Ward von JPMorgan Asset Management hingegen geht davon aus, dass die Bank von England in diesem Jahr auf Zinserhöhungen verzichten wird. Unterdessen deutete Japans oberster Währungsbeamter eine mögliche Intervention an, um die weitere Abwertung des Yen zu bremsen.
Trotz der Turbulenzen sind die Nahrungsmittelpreise dank guter Ernten und ausreichender Vorräte vergleichsweise stabil geblieben, wie Alan Beattie von der Financial Times berichtet. Die US-Notenbank Federal Reserve meldete zudem geringere Verluste in Höhe von 18,7 Milliarden Dollar für 2025, begünstigt durch niedrigere Zinsen und eine schrumpfende Bilanz.
Die EZB steht nun vor einem schwierigen Balanceakt, da Energieschocks und geopolitische Spannungen die Wirtschaftsprognosen verändern. Angesichts von Ölpreisen, die sich worst-case-Szenarien annähern, und weiterhin gestörten Handelsrouten müssen die Entscheidungsträger kurzfristige Stabilität gegen langfristige Risiken abwägen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es den Zentralbanken gelingt, die Wirtschaft durch diese Phase zu steuern, ohne tiefere Abschwünge auszulösen.






