Neuer Apotheken-Gesetzentwurf spaltet Branche: Chancen oder Risiken für Patienten?
Tobias SeidelNeuer Apotheken-Gesetzentwurf spaltet Branche: Chancen oder Risiken für Patienten?
Ein neuer Gesetzentwurf zur Apothekenregulierung hat eine Debatte unter Branchenvertretern ausgelöst. Während einige die geplanten Änderungen begrüßen, warnen andere vor steigenden Kosten und möglichen Risiken für die Patientenversorgung. Die Diskussionen kommen zu einer Zeit, in der Deutschland einen stetigen Rückgang öffentlicher Apotheken verzeichnet.
Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), bezeichnete den Entwurf als "Schritt in die richtige Richtung". Besonders unterstützte er Pläne, die Festzuschläge über eine begleitende Verordnung anzuheben. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband, dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung, warnte jedoch, dass eine solche Maßnahme die Steuerzahler bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich kosten könnte.
Die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren. Bis Ende 2025 werden voraussichtlich noch rund 16.600 übrig sein – etwa 440 weniger als im Vorjahr. Preis betonte, dass dieser Rückgang bereits seit 13 Jahren anhalte und von einer sich beschleunigenden "Apothekensterben"-Tendenz gesprochen werde.
Andere Experten äußerten Bedenken zu verschiedenen Aspekten des Gesetzes. Ulrich Langenberg, Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik bei der Bundesärztekammer (BÄK), lehnte Pläne ab, die den rezeptfreien Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente ermöglichen sollen. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband forderte hingegen strengere Kontrollen für Logistikdienstleister, um eine sachgerechte Lagerung und den Transport von Arzneimitteln zu gewährleisten.
Auch die Versorgungssicherheit mit Biosimilars war Thema der Diskussion. Bork Bretthauer von Pro Generika lobte zwar die aktuelle Verfügbarkeit, sprach sich aber für ein Verbot von Exklusivitätsvereinbarungen aus. Daneben forderte Dr. Elisabeth Fix von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), dass Pflegeeinrichtungen automatisch benachrichtigt werden, sobald E-Rezepte ausgestellt werden.
Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte Vorschläge zur Apothekenvertretung ohne zusätzliche Qualifizierung ab. Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) plädierte für eine andere Herangehensweise bei den Erstattungsregeln für Rezepturarzneimittel.
Der Gesetzentwurf stößt bei Vertretern aus Gesundheitswesen und Industrie auf geteilte Reaktionen. Einige unterstützen Maßnahmen wie höhere Festzuschläge und strengere Logistikkontrollen, während andere auf finanzielle Risiken und regulatorische Lücken hinweisen. Angesichts des anhaltenden Apothekenrückgangs gewinnt die Debatte darüber, wie die pharmazeutische Zukunft Deutschlands gesichert werden kann, zunehmend an Dringlichkeit.






