Pharmamarkt im Umbruch: Wie Online-Apotheken lokale Betriebe bedrohen
Deutschlands Pharmamarkt durchlebt tiefgreifende Umbrüche, während Online-Apotheken ein rasantes Wachstum verzeichnen. Seit 2020 haben sich ihre Umsätze mehr als verdoppelt – von 1,2 Milliarden Euro auf über 3 Milliarden Euro im Jahr 2024. Gleichzeitig haben große Drogerieketten wie dm und Rossmann ihren Marktanteil auf etwa 10 bis 15 Prozent ausgebaut, angetrieben durch die Digitalisierung und veränderte Einkaufsgewohnheiten seit der Pandemie.
Der Boom des Online-Handels verschärft den Wettbewerb für traditionelle Apotheken vor Ort. Ausländische Versandapotheken und heimische Handelsriesen setzen kleinere, lokale Betriebe zunehmend unter Druck. Matthias Schellenberg, Vorstandsvorsitzender der Apobank, warnt, dass diese Marktkräfte die Arzneimittelversorgung in ganz Deutschland grundlegend verändern könnten.
Lokale Apotheken bleiben dennoch unverzichtbar – etwa bei der Arzneimittelsicherheit und der individuellen Beratung. Schellenberg betont, dass Medikamente keine gewöhnlichen Konsumgüter seien und auch nicht so behandelt werden dürften. Er fordert die Politik auf, die Sorgen der Apotheker ernst zu nehmen, bevor kommerzielle Interessen die Branche dominieren.
Die Landesregierungen haben zwar einige der Kritikpunkte der Branche anerkannt, doch bleibt unklar, welche Forderungen tatsächlich in die parlamentarischen Beratungen einfließen werden. Mit anstehenden Apothekenreformen und politischen Weichenstellungen steht das deutsche Arzneimittelsystem vor einer ungewissen Zukunft.
Die Warnungen der Apobank unterstreichen den wachsenden Einfluss von Versand- und Online-Apotheken. Schellenberg pocht darauf, dass auch in Zeiten zunehmender digitaler und handelsgetriebener Konkurrenz eine zuverlässige Arzneimittelberatung und -versorgung gewährleistet bleiben muss.
Der deutsche Pharmamarkt steht am Scheideweg: Online-Verkäufe und die Expansion des Handels verändern die Branche grundlegend. Traditionelle Apotheken geraten unter Druck, während die Politik über Reformen entscheidet, die die Arzneimittelverteilung neu ordnen könnten. Die Weichenstellungen werden zeigen, ob Fachberatung und lokale Versorgung auch künftig das Rückgrat des Systems bilden.






