"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Anton Wolf"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit der Großen Pest oder dem Schwarzen Tod in Verbindung gebracht. Doch Historiker argumentieren, dass dieser beliebten Theorie solide Belege fehlen. Die wahren Ursprünge des Liedes scheinen weit weniger düster zu sein, als viele glauben.
Die früheste bekannte gedruckte Fassung des Liedes in englischer Sprache erschien erst 1881 – ein Indiz dafür, dass es kaum auf die Pestepidemien des 17. Jahrhunderts zurückgehen kann, wie gelegentlich behauptet wird. Der Bezug zur Pest wurde erstmals 1961 hergestellt, mehr als 70 Jahre nach seiner Veröffentlichung.
Forscher vermuten, dass das Lied seinen Ursprung vielmehr in einem deutschen Kinderspiel des 18. Jahrhunderts hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass es aus sogenannten Play Parties entstand – geselligen Zusammenkünften, bei denen Jugendliche religiöse Tanzverbote umgingen. Da sich die Liedtexte je nach Version stark unterscheiden, gestaltet sich die Rekonstruktion seiner genauen Bedeutung besonders schwierig.
Trotz seines düsteren Rufs ist die naheliegendste Erklärung, dass es sich schlicht um ein heiteres Kinderlied handelt. Die Worte könnten überhaupt keine tiefere Bedeutung haben, während spätere Generationen oft eigene Deutungen hineingelesen haben.
Die Theorie, die „Ringel, Ringel, Reihe“ mit der Pest verknüpft, bleibt unbelegt. Die Geschichte des Liedes deutet stattdessen auf spielerische Wurzeln in der europäischen Tradition hin. Seine anhaltende Beliebtheit gründet auf seiner Einfachheit – nicht auf einer versteckten historischen Botschaft.






