12 April 2026, 10:04

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Tarifverträgen und Lohnerhöhungen

Plakat mit fettem schwarzem Text "Landwirtschaftliche Arbeit Stromversorgung" auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem dünnen schwarzen Rand, mit einer Grafik eines Bauernhofs mit Traktor und Scheune.

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Tarifverträgen und Lohnerhöhungen

Arbeitsbedingungen für Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft bleiben hart – trotz aktueller Lohnverhandlungen

Trotz jüngster Tarifverhandlungen sind die Arbeitsbedingungen für Saisonarbeitskräfte in Deutschland weiterhin prekär. Berichte zeigen überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und unsichere Unterkünfte. Gleichzeitig sind Betriebskontrollen in den vergangenen vier Jahren drastisch zurückgegangen.

2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Viele von ihnen arbeiten unter extremen Bedingungen – mit Wochenarbeitszeiten von bis zu 70 Stunden und beenigten, überteuerten Unterkünften. So wurde in Hessen ein 15-Quadratmeter-Seecontainer für über 2.000 Euro monatlich vermietet.

Auch Lohnbetrug ist dokumentiert: Einige Arbeiter verloren durch unrechtmäßige Abzüge fast 1.000 Euro. Steigende Akkordvorgaben zwingen die Beschäftigten zu immer schnellerem Arbeiten, was das Unfallrisiko erhöht. Doch die Aufsicht lässt nach: Die Zahl der Kontrollen sank von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024.

Ein neuer Tarifvertrag sieht für landwirtschaftliche Mitarbeiter eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate vor. Ungelernte Saisonkräfte müssen jedoch vier Monate auf die erste Anpassung warten. Zudem verlängerte die Regierung die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr – und lässt die Arbeiter damit ohne Schutz.

Der Deutsche Bauernverband fordert nun einen Abschlag von 20 Prozent auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter. Einige Parteien unterstützen den Vorschlag mit dem Argument, dies entlaste die Betriebe finanziell. Kritiker warnen jedoch, dass dies die Ausbeutung in einer Branche verschärfen könnte, die bereits von systematischen Missständen geprägt ist.

Trotz einzelner gesetzestreuer Arbeitgeber halten die Probleme des Sektors an. Mit weniger Kontrollen und geschwächten Arbeitnehmerrechten bleiben Saisonkräfte schutzlos. Forderungen nach Lohnabschlägen könnten die Krise für diejenigen vertiefen, die bereits unter harten Bedingungen und finanzieller Unsicherheit leiden.

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