Warum AfD-Wähler trotz gebrochener Versprechen treu bleiben
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani warnt davor, dass sich rechtspopulistische Strömungen nicht einfach dadurch besiegen lassen, dass man ihre Versagen aufdeckt. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" untersucht er, warum Wähler, die Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) unterstützen, diesen oft auch dann treu bleiben, wenn Wahlversprechen nicht eingelöst werden. Diese Gruppen, so seine These, bilden eng vernetzte Netzwerke, in denen das Misstrauen gegenüber Institutionen zu einer gemeinsamen Identität wird.
Die AfD hat sich seit ihrer Gründung 2013 als EU-skeptische Splitterpartei zu einer bedeutenden politischen Kraft entwickelt. Nach 4,7 Prozent bei ihrer ersten Bundestagswahl verlagerte sie während der Flüchtlingskrise 2015 ihren Fokus und radikalisierte ihre Haltung in der Migrationspolitik. 2017 zog sie in den Bundestag ein, und 2025 verdoppelte sie ihr Ergebnis von 2021 – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Dennoch ist ihr Einfluss unterschiedlich: Während sie bundesweit die Opposition anführt, zeigen lokale Ergebnisse – wie etwa 3,6 Prozent bei der Oberbürgermeisterwahl 2020 in Fürth – dass ihre Unterstützung regional schwächer ausfällt.
El-Mafaalanis Forschung zeigt, wie sich Misstrauen verbreitet: Menschen, die das Vertrauen in Staat, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren, wenden sich stattdessen an Gleichgesinnte, die ihre Skepsis teilen. Digitale Plattformen ermöglichen es diesen "Gemeinschaften des Misstrauens", sich heute leichter zu vernetzen und zu organisieren als je zuvor. Populistische Führer, so der Soziologe, schüren dieses Misstrauen gezielt – und machen es damit umso schwerer, es wieder abzubauen.
Seine Arbeit zieht auch Parallelen zu globalen Entwicklungen, etwa zum Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. El-Mafaalanis Analyse legt nahe, dass der bloße Nachweis der Inkompetenz einer populistischen Partei kaum Wähler zurückgewinnen kann. Stattdessen festigen diese Gruppen ihre Bindung durch geteilte Ressentiments und stärken so ihre Loyalität zu antiestablishment-Bewegungen.
Die Erkenntnisse des Soziologen widerlegen die Annahme, ein Niedergang der AfD würde automatisch das Vertrauen in die Demokratie wiederherstellen. Sein Buch schlägt stattdessen neue Wege vor, um Rechtspopulismus zu begegnen, indem die Ursachen des Misstrauens angegangen werden. Die Frage, die sich nun stellt – so formuliert es FUTURZWEI-Herausgeber Peter Unfried –, ist, wie sich diese Einsichten in wirksamere politische Strategien umsetzen lassen.






