Warum Firmen trotz offener Stellen keine Mitarbeiter finden – das Gehaltsdilemma
Tobias SeidelWarum Firmen trotz offener Stellen keine Mitarbeiter finden – das Gehaltsdilemma
Viele Unternehmen haben trotz einer hohen Zahl offener Stellen Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. Ein zentrales Problem scheint zu sein, wie Firmen die Gehälter für vakante Positionen festlegen. Studien deuten darauf hin, dass Unternehmen oft falsch einschätzen, welche Löhne Bewerber anziehen – was zu anhaltenden Einstellungsproblemen führt.
Im Januar 2026 gaben 88 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe an, kaum oder gar keine qualifizierten Kandidaten für ihre Stellenausschreibungen zu finden. Experten argumentieren, dass Unternehmen die notwendigen Gehälter häufig unterschätzen. Sind die Löhne erst einmal festgelegt, zögern viele Firmen, sie anzuheben – aus Sorge, dass dann auch bestehende Mitarbeiter höhere Bezüge fordern könnten.
Die Wirtschaftstheorie stützt die These, dass höhere Löhne die Einstellungsprobleme lösen könnten. Benjamin Friedrich, Associate Professor für Strategie an der Kellogg School of Management, bestätigt, dass Unternehmen bessere Bezahlung bieten müssten, um Arbeitskräfte zu gewinnen. Allerdings fehlt es vielen Betrieben an Informationen über konkurrierende Stellenangebote, weshalb sie zu niedrige Gehälter anbieten, die Bewerber nicht anlocken.
Besonders schnell wachsende Unternehmen hatten die größten Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung. Längere Suchprozesse führten dort oft zu höheren Endgehältern. Auch Firmen mit dezentraleren Belegschaften taten sich schwerer, da sie marktübliche Löhne schwerer einschätzen konnten. Die Zurückhaltung, Gehälter früh im Einstellungsprozess anzupassen, verschärft das Problem zusätzlich – viele Stellen bleiben so über längere Zeit unbesetzt.
Die Lücke bei der Personalgewinnung besteht fort, weil Unternehmen die Löhne zu niedrig ansetzen und Korrekturen hinauszögern. Ohne bessere Gehaltsstrategien könnten Firmen weiterhin mit einem Mangel an qualifizierten Bewerbern kämpfen. Eine frühere Anpassung der Bezahlung könnte helfen, offene Stellen effizienter zu besetzen.






