18 June 2026, 14:04

Warum sich seit Thomas Hitzlsperger kein Fußballprofi mehr geoutet hat

Ist er schwul, Alda?

Warum sich seit Thomas Hitzlsperger kein Fußballprofi mehr geoutet hat

Thomas Hitzlsperger sorgte 2014 für Schlagzeilen, als er als erster und bisher einziger deutscher Profifußballer öffentlich seine Homosexualität bekannte. Seine Offenbarung löste wochenlange Mediendebatten im ganzen Land aus. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte ihm öffentlich zu diesem Schritt.

Hitzlsperger, ehemaliger Nationalspieler, outete sich erst nach dem Ende seiner Karriere. Sein Ex-Trainer Joachim Löw hatte ihn zuvor davor gewarnt, diesen Schritt bereits während seiner aktiven Zeit zu tun – aus Sorge vor öffentlicher Aufmerksamkeit und dem zusätzlichen Druck, der auf seinen Leistungen lasten könnte.

Die Umkleidekabinenkultur im Fußball gilt seit Langem als Hürde für schwule Spieler. Derbe Sprüche und ein unwillkommenes Klima schaffen oft ein toxisches Umfeld. Viele talentierte Fußballer haben den Sport ganz aufgegeben, statt mögliche Anfeindungen zu riskieren oder ein Doppelleben zu führen.

Marcus Urban, ein ehemaliger Nachwuchsspieler, coacht heute schwule Fußballer und initiierte kürzlich eine Kampagne für einen Coming-out-Tag im Jahr 2024. Schätzungen zufolge müssten in den beiden höchsten deutschen Ligen etwa 45 schwule Spieler aktiv sein – doch keiner hat sich bisher geoutet. Auch Trainer, Berater und Agenten tragen eine Mitverantwortung, da sie oft versuchen, den Marktwert eines Spielers vor dem vermeintlichen „Schwulen-Stigma“ zu schützen.

Seit Hitzlspergers Bekanntmachung hat sich kein weiterer Profifußballer in Deutschland geoutet. Die Angst vor Stigmatisierung, beruflichen Nachteilen und einem feindseligen Umfeld hält Spieler weiterhin davon ab, offen über ihre Sexualität zu sprechen. Sein Fall bleibt ein seltenes und prägendes Ereignis in der Geschichte des deutschen Fußballs.

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