WBGU fordert: Natürliche Ökosysteme müssen als kritische Infrastruktur gelten
Anton WolfWBGU fordert: Natürliche Ökosysteme müssen als kritische Infrastruktur gelten
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen fordert rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur als kritisch
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat einen neuen Bericht veröffentlicht, in dem er die rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur als systemrelevant fordert. Darin wird die zentrale Rolle von Ökosystemen beim Schutz vor Hitzewellen, Pandemien und Extremereignissen hervorgehoben. Der Rat dringt auf sofortiges Handeln, um diese lebenswichtigen Systeme zu bewahren.
Am Freitag präsentierte der WBGU seine Erkenntnisse und betonte, dass Seen, Wälder und Moore als kritische Infrastruktur eingestuft werden sollten – ein Status, der bisher vor allem von Menschen geschaffenen Strukturen wie Straßen, Schienennetzen und Energieversorgungsnetzen vorbehalten ist. Das Gremium argumentiert, dass natürliche Systeme essenziellen Schutz bieten und mit derselben Dringlichkeit behandelt werden müssen.
Der Bericht empfiehlt eine bundesweite Erfassung zentraler Naturräume. Zudem rät er zur Entwicklung von Frühwarnsystemen, um schleichende Ökosystemdegradation zu überwachen. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen schlagen die Autoren vor, sowohl öffentliche als auch private Mittel einzusetzen und Unternehmen zu motivieren, sich an Schutzprogrammen zu beteiligen.
Der Rat plädiert darüber hinaus für eine globale Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen wie Solar- und Windkraft. Dieser Wandel würde nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Zudem fordert der Bericht, dass Entwicklungspolitik den Schutz von Ökosystemen priorisiert – mit lokalen Akteuren in einer Schlüsselrolle. Als Erfolgsmodell wird die Coral Triangle Initiative genannt.
Der Bericht warnt, dass Kürzungen bei Klimaprojekten lokale Biodiversitätsmaßnahmen untergraben und die globale Sicherheit schwächen würden. Zudem wird empfohlen, Umweltrisikobewusstsein in die militärische Ausbildung zu integrieren. Der Nationale Sicherheitsrat wird aufgefordert, den Schutz natürlicher Infrastruktur als Teil umfassender ziviler Verteidigungskonzepte zu verankern.
