03 April 2026, 02:04

EMAF zeigt umstrittenen Kurzfilm trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin Larissa Al-Sharif

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Gemälde einer Frau mit menschlichem Gesicht umgeben von Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF zeigt umstrittenen Kurzfilm trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin Larissa Al-Sharif

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat beschlossen, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif zu zeigen – trotz Vorwürfen des Antisemitismus. Die Entscheidung sorgt für Kontroversen, wobei sich lokale Politiker und Behörden von der Programmwahl des Festivals distanzieren. Im Mittelpunkt der Debatte stehen nicht Al-Sharifs künstlerische Arbeiten selbst, sondern ihre Aktivitäten in sozialen Medien.

Das diesjährige Festivalmotto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollendete Versammlung) befasst sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung – Themen, die durch die aktuelle Entscheidung unerwartet in den Fokus rücken.

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Al-Sharif sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, antisemitische Positionen zu vertreten und die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel) zu unterstützen. Kritiker verweisen auf ihre Social-Media-Posts, darunter ein Halloween-Foto in einem Kostüm mit einem roten Dreieck, das der künstlerische Leiter des Festivals als mehrdeutig und interpretationsoffen bezeichnet. Die Stadt Osnabrück sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben sich öffentlich von der Festivalauswahl distanziert. Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt, erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Werk auszuschließen, und verwies auf mögliche antisemitische Botschaften.

Trotz der Kritik hält das EMAF an seiner Entscheidung fest, den Kurzfilm "Morning Circle" zu zeigen. Das Festival arbeitet seit Langem mit palästinensischen Künstlern zusammen, hat aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm aufgenommen. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentierte, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung keinen Beitrag zum Frieden im Nahen Osten leiste.

Die Landesregierung betont zwar die Unabhängigkeit des Festivals, verurteilt Antisemitismus jedoch eindeutig. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung oder des Journalisten Wolfram Weimer zur Position Osnabrücks liegt bisher nicht vor. Die Diskussion konzentriert sich stattdessen auf die Kritik der Stadt, der Film stelle die Legitimität Israels infrage.

Die Festivalleitung bleibt bei ihrer Entscheidung, Al-Sharifs Werk zu zeigen – trotz des Widerstands lokaler Verantwortungsträger. Die Debatte verdeutlicht die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck, politischen Aussagen und den Grenzen der Meinungsfreiheit. Da die Vorstellung wie geplant stattfinden soll, wird die Auseinandersetzung über die Berechtigung der Filmauswahl voraussichtlich auch über das Festival hinaus andauern.

Quelle