15 April 2026, 00:11

Reichelt-Prozess: NDR kämpft gegen Zensur im Machtmissbrauchsfall

Cartoon-Courtroom-Szene mit einem stehenden Mann in der Mitte, einem Tisch mit Gegenständen rechts und dem Text "Boney's Trial, Sentence, and Dying Speech Europe's Injuries Revenged" unten.

Reichelt-Prozess: NDR kämpft gegen Zensur im Machtmissbrauchsfall

Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird sich voraussichtlich mindestens bis 2026 hinziehen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) treibt nun eine vollständige Gerichtsverhandlung voran, um zensierte Passagen eines kritischen Berichts wiederherzustellen. Der Fall dreht sich um Vorwürfe des beruflichen Fehlverhaltens und persönlicher Beziehungen zu Untergebenen während Reichelts Zeit bei der Boulevardzeitung.

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Die Kontroverse begann 2022, als Der Spiegel erstmals über Reichelts angebliches Verhalten bei Bild berichtete. Ein Jahr später strahlte das ARD-Format Reschke Fernsehen im Februar 2023 eine detaillierte Untersuchung aus, in der ihm Machtmissbrauch vorgeworfen wurde. Die Sendung enthielt Aussagen von Frauen, die behaupteten, nach der Abweisung seiner Avancen berufliche Nachteile erlitten zu haben. Die Ausstrahlung ist jedoch nicht mehr in der ARD-Mediathek verfügbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.

Reichelt reagierte umgehend mit einer einstweiligen Verfügung gegen Reschke Fernsehen. Ein Gericht gab ihm recht und verfügte die Streichung zentraler Passagen des Berichts. Er bestreitet alle Vorwürfe nach wie vor entschieden.

Nun forciert der NDR ein Hauptverfahren, um die Zensur aufzuheben. Der Sender plant, Zeugen zu laden, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie während ihrer Tätigkeit unter ihm zu einer sexuellen Beziehung gedrängt. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass das deutsche Justizsystem – insbesondere in Presserechtsstreitigkeiten – langsam arbeitet, sodass vor dem Frühjahr 2026 kaum mit einer Entscheidung zu rechnen ist.

Die lange Verfahrensdauer wirft Fragen zur Transparenz auf. Viele Details – etwa die genaue Anzahl der Affären oder das Ausmaß von Reichelts Einfluss auf Mitarbeiterinnen – wurden nie vollständig aufgeklärt. Eine öffentliche Verhandlung könnte auch für den Axel-Springer-Verlag, Herausgeber der Bild, unangenehm werden, falls ehemalige Mitarbeiter über die Unternehmenskultur unter Reichelts Führung aussagen.

Der Fall bleibt damit noch Jahre in der juristischen Schwebe, ein endgültiges Urteil ist vor 2026 nicht zu erwarten. Sollte der NDR erfolgreich sein, könnte die wiederhergestellte Reportage die Kritik an Reichelts Amtszeit bei Bild und den allgemeinen Umgang mit Vorwürfen zu Fehlverhalten am Arbeitsplatz weiter verschärfen. Bis dahin bleiben die zensierten Inhalte und das abgelaufene Sendematerial der ARD-Mediathek wichtige Beweismittel, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

Quelle