Wie sieben lettische Basketballer 1950 die deutsche Meisterschaft revolutionierten

Admin User
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Eine Gruppe von Menschen in einem Stadion, einige halten einen Basketball, andere schauen von den R√§ngen zu und Werbetafeln sind auf den Anzeigetafeln zu sehen.

Wie sieben lettische Basketballer 1950 die deutsche Meisterschaft revolutionierten

1950 schrieb ein kleiner Basketballverein aus Stuttgart Geschichte – mit einem ungewöhnlichen Team. Der Ballspielclub Degerloch, besetzt mit sieben großen lettischen Spielern, gewann am 21. Mai die deutsche Meisterschaft. Ihr Sieg kam so überraschend, dass er eine dauerhafte Regeländerung im gesamten Land nach sich zog.

Die lettischen Spieler, alle zwischen 1,89 und 2,04 Meter groß, waren nach dem Krieg als Displaced Persons nach Deutschland gekommen. Warum sie Lettland verließen, bleibt unklar, doch sie ließen sich in Stuttgart-Zuffenhausen nieder und lebten gemeinsam in der Gottfried-Keller-Straße 28. Die meisten arbeiteten für die US-Armee, vermutlich in einer Sicherheitseinheit namens Wachabteilung Zuffenhausen.

Ihre Überlegenheit auf dem Platz war unbestritten. Mit sieben lettischen Athleten in der Startaufstellung sicherte sich der BC Degerloch die erste und einzige deutsche Meisterschaft des Vereins. Der Sieg verunsicherte die Verantwortlichen, die eine derart starke ausländische Prägung in der Liga noch nie erlebt hatten.

Noch im selben Jahr, am 30. September, führte der Deutsche Basketball Bund eine neue Regel ein: Pro Team durften fortan nur noch zwei ausländische Spieler antreten. Die Entscheidung sollte den Einfluss von Talenten aus dem Ausland begrenzen – doch es war der Erfolg der lettischen Spieler, der diese Änderung ausgelöst hatte.

Nach dem Meisterschaftserfolg löste sich das Team auf. Die meisten lettischen Spieler verschwanden aus den Aufzeichnungen, ihre weiteren Wege lassen sich nicht mehr nachvollziehen. Einer von ihnen, Heinrich Baikštis, wanderte später in die USA aus und starb 2004 in Virginia.

Die lettischen Spieler hinterließen ein kurzes, aber nachhaltiges Erbe im deutschen Basketball. Ihr Meisterschaftssieg zwang den Verband, die Regeln neu zu schreiben, und prägte die Liga für Jahrzehnte. Zwar war ihre Zeit in Stuttgart nur kurz, doch ihr Einfluss auf den Sport blieb lange nach ihrem Abschied bestehen.