Dresdens verbotene Künstler: Wie sie im Untergrund gegen die DDR rebellierten

Tobias Seidel
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Plakat für die Große Kunstausstellung an der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland im Jahr 1904 mit markanter Schrift, die die Ausstellung ankündigt.Tobias Seidel

Dresdens verbotene Künstler: Wie sie im Untergrund gegen die DDR rebellierten

Dresden war einst das kulturelle Zentrum der Kunstszene der DDR, Heimat der renommierten Hochschule für Bildende Künste. Jahrzehntelang vertrat diese Institution den Sozialistischen Realismus als offizielle Stilrichtung. Doch unter der Oberfläche formierte sich eine Gruppe junger Künstler, die leise gegen die starren Kulturvorgaben des Staates rebellierte.

Gegen Ende der 1970er-Jahre begannen viele von ihnen – allesamt an derselben Akademie ausgebildet – Grenzen auszuloten, doch sie sahen sich mit Repressionen durch die ausländerbehörde konfrontiert.

Ab 1953 beherbergte das Albertinum auf der Brühlschen Terrasse alle fünf Jahre die zentralen Kunstausstellungen der DDR. Diese Schauen präsentierten ausschließlich staatlich genehmigte Werke und ließen alternativen Stimmen kaum Raum. Doch unter den Studenten der Hochschule für Bildende Künste entwickelte sich eine ganz andere Bewegung.

Künstler wie Eberhard Göschel, Hans Scheib, Reinhard Stangl und Cornelia Schleime ließen sich zunächst vom expressionistischen Stil der "Brücke"-Gruppe inspirieren – eine Richtung, die die DDR längst verworfen hatte. Ihre Arbeiten kollidierten mit dem an der Akademie gelehrten Sozialistischen Realismus und führten zu Konflikten mit den Verantwortlichen.

Der Staat reagierte mit Härte. Viele dieser Künstler wurden von Ausstellungen ausgeschlossen, erhielten keine Aufträge über den Verband Bildender Künstler und gerieten ins Visier der Stasi-Überwachung. Einige, darunter Eberhard Göschel – ein Bayer, der in die DDR übergesiedelt war –, gründeten in Dresden den underground-Verlag Obergrabenpresse. Andere wie Hans Scheib eröffneten private Galerien in Berlin-Prenzlauer Berg, zunächst 1977 in der Raumerstraße 23, dann 1980 in der Sredzkistraße 64.

1982 organisierten Göschel und Helge Leiberg Gruppenausstellungen im Leonhardi-Museum in Dresden-Loschwitz. Die Schauen waren so provokant, dass die Behörden das Museum vorübergehend schließen ließen. Trotz der Repressionen emigrierte keiner dieser Künstler offiziell in die Bundesrepublik vor dem Mauerfall 1989. Die meisten verließen die DDR jedoch nach der Wende – mit Ausnahme von Göschel, der im Osten blieb.

Die Unterdrückung, der diese Künstler ausgesetzt waren, verdeutlicht die strenge Kontrolle der DDR über kulturelle Äußerungen. Ihre Werke, oft unterdrückt, prägten dennoch die alternative Kunstszene Ostdeutschlands. Nach der Wiedervereinigung fanden viele von ihnen endlich über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus Anerkennung.

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